Aug 032011
 
ich habe eine beobachtung gemacht, die womoeglich gar nicht spezifisch ist fuer schwaben. und ob es spezifisch und charakteristisch schwaebisch ist, ist auch egal, es geht ums phaenomen.es ist mir zumindest unter schwaben zum ersten mal aufgefallen, dass menschen, die sich im alltag, im bus, beim zufaelligen treffen in der kneipe, an der kasse im supermarkt… unterhalten, sehr haeufig lachen. sie lachen nicht aus irgendeinem anlass, nicht weil eine oder einer von beiden etwas lustiges oder hintergruendiges gesagt haette, nicht, weil sie sich gegenseitig an eine komische situation erinnern, oder weil sie sich etwas erzaehlen, das sie besonders freut. sie sagen sich ganz banale und nicht im wortsinn lustige dinge, aber lachen herzhaft darueber. sie lachen gewissermaszen ueber die fliege an der wand.warum, habe ich mich oft gefragt. haben die leute einen humor, den ich ueberhaupt nicht verstehe und zu dem ich nicht den geringsten zugang habe? ist es vielleicht fuer sie lustig, dass einer sagt “der bus kommt auch nie puenktlich”, “heute morgen habe ich noch gedacht, lass den regenschirm zuhause und jetzt regnet es!”, oder dass jemand auf die frage “ist dieser platz noch frei?” eine positive antwort gibt? oder ist es eine art mario-barth-“humor”, bei dem die menschen sich ausschuetten vor lachen, weil jemand ihnen ihre ewig gleichen dumpfen gedanken und ihren fuerchterlich langweiligen, bratwurstigen und z. b. in geschlechtsclichés zementierten alltag wieder und wieder vormacht? ich glaube, so aehnlich, aber das lachen ist noch weniger auf einen als wie auch immer irregeleitet als lustig empfundenen gegenstand gerichtet, ja, es ist ueberhaupt nicht auf einen gegenstand gerichtet, sondern erfuellt eine rein sozio-emotionale schmiermittelfunktion.gerade weil das, worueber die menschen sprechen, so banal, langweilig und unaufregend ist, es aber ‘dazugehoert’, es einfach so zu sein hat, dass man redet, ist die interaktion eigentlich sehr unertraeglich. es ist anstrengend und nervt, dass man sich gegenseitig den immer gleichen mist verzapft und sich dabei immer und immer wieder vor die augen fuehrt, wie uninteressant und sinnlos “das leben” ist und wie sehr man verlernt hat, sich zumindest in konversationsthemen dagegen aufzulehnen. man redet also nur ueber das wetter, den einkauf, die fahrplandisziplin der stadtbusse, muss sich aber vergewissern, dass die ‘interaktion’, die verbindung zu den anderen leuten um einen herum, die phantasie der ‘gemeinschaft’, die dabei hergestellt werde, ‘echt’ sei. sie muss wenigstens halbwegs plausibel scheinen. das verdruckste lachen ueber irgendeinen voellig unlustigen mist suggeriert, dass das aneinander hinquatschen von uninteressantem doch erfuellend sei, einen wert habe. so versetzen sich die interaktanten gegenseitig in die lage, im nachhinein aus ihrem lach-verhalten und dem eindruck positiven affekts, der durch lachen im gespraech heraufbeschworen wird, zu rekonstruieren, dass es wohl angenehm und schoen gewesen sein muss, dass sie sich einig waren und “gemeinschaft erfahren” haben. dann macht es einfach nichts mehr, ob das inhaltlich gesagte stumpfes, uninteressantes geblubbere war, oder ob tatsaechlich wenigstens ein einziger interessanter gedanke getauscht wurde, geschweige denn jemand einen witz oder allgemeiner etwas halbwegs witziges erzaehlt hat. das witzlose lachen waere nach dieser hypothese
indikator und ausdruck des gegenteils von lustigkeit. es muesste, wenn etwas daran ist, zu beobachten sein, dass das lachen in abwesenheit von (wenigstens intendierten) witzen umso ausgepraegter ist, je trostloser und banaler die verhandelten gespraechsthemen und konkreten informationen, die ausgetauscht werden, sind, je weniger den gespraechspartnern etwas aus ihrem leben einfaellt, dass die erwaehnung und mitteilung lohnte. an diesem empirischen test werde ich mal dranbleiben.

Jun 012011
 

in einer mittelstaendischen werbeagentur in schwaben.

praktikant (10. klasse, 2 wochen “berufs”-praktikum): “wir muessen noch die werbung fuer die muckibude fertigmachen.”

werbefuzzi (abwesend, auf was anderes konzentriert): “ja ja.”

praktikant: “soll ich mal was entwerfen?”

werbefuzzi (abwesend): “mhhhh….”

praktikant: “ich mach was mit viel nackter haut, ja?”

werbefuzzi (abwesend): “mirwegen…”

praktikant: “und was fuern slogan soll ich nehmen?”

werbefuzzi (desinteressiert): “ach irgendwas mit ‘spasz’ oder ‘wohlfuehlen’ oder so…”

praktikant: “super, eins habe ich schon fertig:”

Dsc00688

werbefuzzi: “jaja, stoer mich nicht…”

praktikant: “soll ich noch eins machen?”

werbefuzzi: “mensch jetzt lass mich mal, ich muss mich hier aufs wesentliche konzentrieren!”

praktikant: “aaaaaah!”

Dsc00689

praktikant: “soll ichs so auf folie drucken lassen?”

werbefuzzi: “mach, was du willst.”

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