so sieht das aus

Jul 172014
 

Das Magazin Slate (http://www.slate.com/blogs/the_spot/2014/06/10/u_s_national_team_nickname_why_we_should_call_our_national_soccer_team_the.html) riss letzthin die Debatte auf, wie man dem US-amerikanischen Nationalteam der Fussball-Herren denn liebevoll sagen solle. Dabei lamentierte der Autor, dass ja andere Mannschaften auch so Spitznamen hätten, zum Beispiel ‘La Squadra Azzura’ oder ‘Oranje’ oder eben – ‘Die Mannschaft’. Darüber stolpert man immer wieder, gerne im Internet, und im Speziellen bei besonders peinlichen Begegnungen mit Leuten aus anderen Ländern als Deutschland, die die DFB-Auswahl so lieben: The Germans affectionately call their national men’s soccer team ‘Die Mannschaft'”.
Aber: niemand in Deutschland hätte je gehört, dass jemand ‘Die Mannschaft’ als Spitz- oder Kosenamen benutzte (‘Kosen’ ist natürlich in diesem Zusammenhang ohnehin vollkommen fehl am Platz, aber sei’s drum). Ich jedenfalls habe das noch nie, nie, nie gehört. Da eröffnet sich natürlich die Frage: Wo kommt das her? Wie kommen vorwiegend englischsprachige Menschen darauf, dass ganz Deutschland die DFB-Auswahl liebevoll ‘Die Mannschaft’ nennte?
Wahrscheinlich war es so: Als zum ersten Mal ein englischer Sportreporter (‘Three Lions’!) einen deutschen Kollegen am Kneipentisch abends fragte: “Listen, Fritz, there is a thing I have been wondering about, indeed, and I want to ask you this: What do you call your national soccer team in Germany?” <klugschei? ?erei>Ja, ‘Soccer’ ist ein ehedem durch und durch britischer Begriff und kommt von ‘Association Football’, da hatte er so eine richtige bratwurstige Kartoffel vor sich. Einen von denen, die zwar coole scheinenglische Ausdrücke und einen vorgeblich amerikanischen Fantasieakzent drauf haben, dafür aber einfach kein th ohne Regen sprechen können, noch dem Unterschied zwischen ‘actual’ und ‘aktuell’ oder ‘eventual’ und ‘eventuell’ intellektuell gewachsen sind. Und vor allem nicht in der Lage sind zu verstehen, was inhaltlich jemand von ihnen will. Denn dass der englische Sportreporter nicht etwa eine Vokabelfrage an ihn richtete, sondern Auskunft über einen empirischen Sachverhalt ersuchte, da kam die Kartoffel natürlich nicht drauf. Sie sprang am Kneipentisch wie ein Unterprimaner auf, haute die Hacken zusammen, legte die Hände an die Hosennaht, und brüllte zackig: “Jawohl, bitte sehr, in Tschörman, ‘the team’ is ‘die Mannschaft’.” Der Engländer konnte sich beim besten Willen sich einfach nicht vorstellen, dass der Deutsche so strunzenblöd wäre und ihm ernsthaft eine Vokabel offeriert habe, sondern nahm wenig überrascht, aber doch ein wenig befremdet hin, dass die Deutschen ihre Fußball-Nationalmannschaft eben ‘Die Mannschaft’ nennen. Wie Deutsche halt Dinge so nennen, wenn sie mal so lieb sein wollen zu jemand. Seither hat auch niemand mehr nachgefragt. Die Deutschen nicht, weil sie ja immer noch glauben, die Engländerinnen und Amerikaner seien sehr gelehrig beim Vokabelnlernen, und die Engländer und Amerikanerinnen nicht, weil die bei Deutschen schon lange nichts mehr wundert. Deswegen nennen die DFB-Auswahl im Ausland Leute, die einen Namen verwenden wollen, der gutmütig und ehrerbietend wie ‘Black Stars’ oder ‘Furia Roja’ anmutet, eben immer noch ‘Die Mannschaft’. Daher der Name Matjes-Hering.

May 072012
 
  • Was ist regressiver Antikapitalismus? Anmerkungen zum Unterschied zwischen KapitalisTEN- und KapitalisMUSkritik.

Seit 2008 will die Krise nicht enden. Die Vorstellung von einer ewig prosperierenden Marktwirtschaft ist zu Grabe getragen und es wimmelt nur so von “Kapitalismuskritik”. Doch leider kursiert unter dieser Überschrift vor allem eines: das Ressentiment…

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  • Was ist Antisemitismus? Anmerkungen zur Wahnwelt des vernichtungsorientierten Antikapitalismus.

Dass Antisemitismus etwas “irgendwie Schlechtes” sei, hat man in Deutschland mittlerweile gelernt. Und auch, dass man die Rede vom Antisemitismus stets empört zurückweisen soll und darf, wenn sie im Zusammenhang mit etwas geschieht, das man selbst für lieb und teuer, für richtig und moralisch hält. Doch verliert der Begriff des Antisemitismus streckenweise im Gemenge der Phrasen seine Bedeutung…

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Aktuelle Flugschriften von Emanzipation und Frieden im Überblick

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Mar 042011
 
mit und zu Guttenberg

endlich setzt sich jemand mit guttenberg und der nach ihm benannten affaere so auseinander, dass keiner der pfeifen auf beiden seiten zufrieden damit ist! mit gutti als held der abschaffung des eigentums.

kommunistische blöcke auf guttenbergdemos!

und hier noch ein biszchen theorie dazu.

mit und zu Guttenberg

Der Plagiator

Mar 102010
 

also mal vorweg: niemand soll natuerlich solidarisch werden mit dem ollen “liberalen”, nicht zuletzt, weil es ja nur vordergruendig um ihn, mittelgruendig um seinen lebensgefaehrten, und hintergruendig um homophobie in deutschland geht. letztlich hat sich westerwelle, den ich auch so bislang immer unsympathisch und unenglisch fand, kuerzlich bei mir um kopf und kragen geredet als er zwangsarbeit fuer hartz iv empfaenger forderte. damit hat er sich endgueltig als ein deutscher (und auch nur ein solcher) liberaler qualifiziert, der, wie die liberalen in deutschland mal so sind (vor allem, wenn sie sich zu modernen partei-aehnlichen rackets zusammenrotten), im zweifel auch den letzten rest von echter liberalitaet ueber bord schmeisst, wenn man sich auch ausgeslassen dem ressentiment und der bestrafung der undeutschen, lies: arbeitsfaulen, hingeben kann. Continue reading »

Dec 052009
 

Rottenburg am Scheiss Neckar. Wie jetzt bekannt wurde, hat die diesjährige Weihnachtsbäckerei im Hause Jacoby ihren vorläufigen Höhepunkt in 2009 gefunden. Aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, dass die Aktivitäten heuer ungewöhnlich stringent verlaufen und daher bereits am 2. Advent abgeschlossen worden seien. Das Sortiment sei weitestgehend stabil geblieben, allerdings um einen Maroni-Gugelhupf (franz.: Kouglof aux marrons) sowie einen Incarom-Mokka-Marmor-Cake mit Birne (Abb. 1 hinten rechts) ergänzt worden. Letzterer werde, so der heute nachmittag kurzfristig regelrecht fanatisierte Keksafficionado Giovanni Moltisanti, der die Operation “Backen wie ein Eichhörnchen” leitete, den Leuten im Institut für Wissensmedien am kommenden Mittwoch anlässlich einer jahreszeitlich angemessenen Feierlichkeit zum Frass vorgeworfen. “Die sollen auch nicht leben wie Hunde”, so Moltisanti.
Ausgeblieben sind erfreulicherweise die im Forveld befürchteten Ausschreitungen zwischen marodierenden Ausstecherle-Banden (Abb. 2). Diese hatten sich im vergangenen Jahr spontan zu orthogonalen Kontrast-Gruppen zusammengeschlossen und kämpften während mehrerer Stunden um Varianzanteile auf dem ausgerollten Plätzchenteig. Dabei war erheblicher Schaden in Höhe von mehreren hundert Gramm Weizenmehl (Typ 405) entstanden.

Abb. 1

lecker gebäck

lecker gebäck

Abb. 2

ausstecherle-bande

ausstecherle-bande