Jun 292011
 

Als 2009 der Präsidentschaftswahlkampf in den USA auf seinem Höhepunkt war, hätte man den Eindruck gewinnen können, es gehe angesichts der guten Chancen Obamas, die sich später realisiert haben, aufwärts mit dem “deutsch-amerikanischen Verhältnis”. Obama erschien als Anti-Bush, als ein Europäer im Weißen Haus, der nun endlich eine bessere, “europäischere” Politik machen würde. Darunter verstand man grob: weniger Krieg gegen den Terror, mehr Moral, mehr Kultur, mehr “Einpassung” in die Staaten-“Gemeinschaft”, mehr Rücksicht auf die “Völker” der Erde. Denn irgendwie schien ja klar: Man hasst nicht Amerika*, sondern nur amerikanische Politik.

Flugschrift von Emanzipation und Frieden: Was ist Antiamerikanismus? Anmerkungen zur grassierenden Selbstgerechtigkeit.

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auszerdem: vortrag und diskussion mit andrei markovits am 4. juli 2011 in stuttgart

Amerika, dich hasst sich’s besser. Antiamerikanismus in Deutschland, Europa und weltweit [ Einladung ]

“Schwappt nicht jeder Mist von Amerika zu uns rüber und zerstört unsere Kultur? Erst werden regionale Lebensmittel durch Fastfood und der anspruchsvolle Film durch Hollywood, dann die gute Soziale Marktwirtschaft durch einen neoliberalen Raubtierkapitalismus verdrängt, zuletzt auch noch die Humboldt-Uni durch diesen Schmalspur-Bachelor!”

Die Amerikanisierung der Verhältnisse gilt vielen als Inbegriff alles Schlechten. Amerika hat bereits in der Vergangenheit als Projektionsfläche verschiedenster Phantasien und Ressentiments gedient und ist als Feindbild auch heute virulent. Im Feindbild Amerika manifestiert sich ein Unbehagen an der kapitalistischen Gesellschaft. Dieses nimmt – als Kritik getarnt – lediglich an den Erscheinungsformen moderner Vergesellschaftung Anstoß und reagiert sich an Amerika ab, das im Prozess der weltweiten Kapitalakkumulation eine besonders exponierte Stellung einnimmt. Als Inkarnation der modernen, kapitalistischen Zivilisation verteufelt, steht es seinen Feinden nicht nur für eine fremde Nation, sondern für eine gänzlich andere: kulturlos, materialistisch und künstlich, abstrakt, kommerziell, gierig und – gerade für Linke – zutiefst imperialistisch.

Schon Hannah Arendt erkannte die Unfähigkeit und den Unwillen der Deutschen, die amerikanische Wirklichkeit zu verstehen, sich mit ihr in ihrer Pluralität und Komplexität auseinanderzusetzen. Dass sich hinter dieser Unfähigkeit handfeste Ressentiments und Aversionen verbergen und dass dieses Phänomen auch weltweit zu beobachten ist, zeigt Andrei S. Markovits in seinem Vortrag.

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 Posted by at 1.49 am
Jun 232011
 
… that you’re at a country music show in germany? by the foxtails on every other cowboy hat. and theres a lot of them – worn with anything but dignity and pride. very serious (and I mean Serious) robot line dance to every single song. german flags. But the amazing kim carson almost makes you forget that! <3

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 Posted by at 11.37 am
Jun 222011
 

bodo ramelow mag einer der vernuenftigeren in der linkspartei sein. (wenigstens jammert er nicht darueber, dass die frechen juden vom zentralrat sich erlaubt haben, ihre nasen wo reinzustecken, was sie nichts angeht – wo kommen wir denn da hin, wenn jetzt schon die juden daruber mitdiskutieren duerfen, wie man sie schikaniert?). aber es geht hier gar nicht um die person, oder wer da nun schlimm oder schlimmer sei. sondern um ein phrase, die staendig von allerhand leute herumgepeitscht wird, die sich auch noch fuer grosze antifaschisten halten. die vom “existenzrecht israels” naemlich. was man gegen das “existenzrecht israels” haben koenne? allerhand.

die rede vom existenzrecht ist erstens groszer mist. schonmal vom “existenzrecht” schwedens gehoert? oder vom “existenzrecht” marokkos? – nee, genau! israel existiert, und weil einigen herrschaften das nicht in den kram passt, heiszt das noch lange nicht, dass das recht zur existenz jetzt mal ausdiskutiert werden muesse. das gehoert sich naemlich fuer ein existenzrecht, ueber das man spricht: dass man mal abwaegt, ob es weiter bestehen soll, oder nicht. letztere option bedeutet faktisch: die abschaffung dessen, dem man eben noch groszmuetig “existenzrecht” zugebilligt hat. der begriff “existenzrecht” und die rede von seiner diskutierbar- oder bezweifelbarkeit aber ist empirisch schon falsch: recht ist, was durchgesetzt wird. und solange der juedische staat, der die einzig belastbare versicherung gegen den rasenden mob ist, von der zahal geschuetzt wird, ist da also gar nichts zu diskutieren. da kann irgendwer herumschwadronieren, aber die rede vom “existenzrecht” ist faktisch unsinnig und inhaltsleer.

es sei denn, man redet gar nicht von diesem “existenzrecht” in der absicht, ueber etwas de factor verhandelbares sich zu aeuszern, sondern um zu aeuszern, was man gerne tun wollte. naemlich, dass man es gerne haette, dass irgendwo (am liebsten natuerlich ohne israelis) diskutiert werden koennte darueber, ob israel aufgeloest werden soll oder nicht, und man am ende dann mit einem mehrheitlichen “ja” darueber abstimmen koennte. nur vor diesem hintergrund ist die rede vom “existenzrecht” ueberhaupt sinnvoll, wenn es auch keine aussage darueber ist, was in der welt ist. das “existenzrecht” israel ist also eine façon de parler darueber, dass man israel ja auch abschaffen koenne. und jemandem, der so zeug faselt, gehoert recht eigentlich schonmal gleich aufs maul gehauen.

Antisemiten_aufs_maul

besonders dreist kommt nun der herr ramelow von der linkspartei daher. er moechte jetzt das existenzrecht israels im parteiprogramm niederschreiben und innerhalb der partei sich “darauf einigen könn[.]en, das Existenzrecht Israels nicht zu debattieren.”:

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-06/ramelow-linkspartei-israel

das “existenzrecht” israels im linksparteiprogramm festzuschreiben ist ungefaehr die uebelste und abgefuckteste anmaszung seit langem. man kann vielleicht festschreiben, dass gefaelligst niemand in zukunft mehr die hoeger oder den paech macht in der partei (dafuer muessen vielleicht einige rausgehen, wenn die abstimmung ueber das neue programm stattfindet, damit man es durchgepeitscht bekommt) und sich aufschwingt, nicht nur israel mit dem “existenzrecht” zu drohen, sondern auch noch so tut, als koenne er oder sie es qua bockig aufstampfen in abrede stellen. aber sich einzubilden, dass das parteiprogramm der linken der ort sei, an dem man voll der gnade die “existenzberechtigung” fuer israel schriftlich festhalten zu muessen vermeint, das grenzt schon an groeszenwahn, knochendeutsche groszmannssucht.

Hc3b6geringehalstuch

wer vom “existenzrecht” rabuliert, es damit de facto zur disposition stellt, und es darueberhinaus noch groszmuetig bei sich aufs papier schreiben will, der droht israel, der droht den juden. wer es aufschreibt, kann es auch wieder wegstreichen. da kann man sich einigen, eine bestimmte debatte unterm teppich zu halten, wie man moechte. denn schliesslich muss man eine debatte nur dann beenden, wenn sie grundsaetzlich ja auch – unter anderen umstaenden vielleicht – eine ist, die man fuehren koennte. solange (deutsche) politiker, vor allem derzeit, aber nicht nur, in der linkspartei vom “existenzrecht” phantasieren, so lange wird die zahal mit allen mitteln die buergerinnen und buerger israels schuetzen muessen vor freunden israels, mit denen man keine feinde mehr braucht. und dafuer gebuehrt der zahal alle solidaritaet.

 

 

 

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 Posted by at 1.25 am
Jun 202011
 

mein bruder erfand im zarten alter von 4 gerne witze. sehr beliebt war: “ein mann ist erbsen. da spuckt er sie aus – das waren elektrische erbsen.” das war lustig und “elektrische erbsen” wurde ein ueber jahre hinweg zu tode gerittenes innerfamiliaeres bonmot.

anders verhaelt es sich aber, wenn man als papiertuetendesigner eine tragetasche fuer eine baeckereikette designen soll (obwohl – in diesem fall hier waere der aufdruck “elektrische erbsen” ja schon kultig, 1000 mal toller als das, was da draufsteht). jedenfalls geht so ein “ich assoziier mal irgendwas, habe ich mal auf dem schulhof gehoert”-rotz eigentlich gar nicht: “brezel dir eine.” mich juckt’s schon vor bratwurstigkeit.

aber nicht genug, nein, man musste auch noch, neben dem “kecken” spruch eine information draufdrucken (die menschen dort abholen, wo sie stehen, die information leicht verdaulich verpacken, zu jedem substantiv ein positiv aufgeladenes adjektiv, blabla laber suelz…). zutaten, zubereitung, tradition, handwerk – ist natuerlich alles quatsch: sternenbaeck ist eine klitsche, in der angelieferte tiefgefrorene teiglinge aufgebacken werden – egal: es geht ja ums image und das muss immer schoen “authentisch”, schollenverbunden und altertuemlich-echt daherkommen. das gequackel von der grundlage des qualitaetsprodukts wird dann nur noch uebertroffen davon, dass es sich hier offenkundig gar nicht um eine echte brezel handelt, sondern eine “brezel”. ich schaeme mich mich so einer tasche, die wandert trotz sagenhafter 25¢ die ich dafuer hinblaettern musste, sofort ins altpapier.

Brezel

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 Posted by at 11.50 pm
Jun 092011
 

“umfragen” in kaeseblaettern aus der provinz sind ja fuer sich schon bescheuert genug. ein paradebeispiel praesentiert jede woche aufs neue das tuebinger wochenblatt: wo sich die bloedheit der redakteure und das ressentiment der lesenden treffen, da hagelt es prozentzahlen, die darueber auskunft erteilen, wie es im deutschen denkt, dass es eine art ist.
zum beispiel wurde letzte woche gefragt, wie man denn sich nun verhalte angesichts der ehec-epidemie. neben allerhand anderen schwachsinnigen antwortmoeglichkeiten gab es “Auf dem Markt gibt es Gemüse und Obst aus der Region. Dort kaufe ich ein.” 20% der trottel, die sich an diesem scheisz beteiligten, waehlten diese antwortmoeglichkeit. mit anderen worten: “wenn der bauer, der 25 km entfernt wohnt, mich vergiftet, dann bin ich damit einverstanden. aber nicht, wenn der bauer 100 km weit entfernt wohnt.” deutsche erdverbundenheit, ladies and gentlemen!

Tubinger_wochenblatt__wochenumfrage_1307642894788

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 Posted by at 8.23 pm