spaetestens anfang 1945 wurde auch denen, die deutschland noch am wohlgesonnensten waren, deutlich, dass das projekt der nationalsozialistischen revolution und der vernichtung alles undeutschen von leuten durchgefuehrt wurde, von denen man nicht erwarten konnte, zur besinnung zu kommen und die raserei abzubrechen. den deutschen eben. jahre lang und im vollen besitz ihrer geistigen kraefte, geplant und willentlich hatten sie das projekt der ausloeschung der juden vorangetrieben – nicht etwa, weil sie irgendwie vom fuehrer “ausgetrickst” worden sind, oder sie “ausversehen” falsch entschieden hatten, sondern weil ihnen dieses projekt eine herzensangelegenheit war, es war ihnen moralisch gut, ja gar eine pflicht, sich als halluziniertes opfer vom joch der juden und allem, was sie damit assoziierten, zu befreien. durch vernichtung.
so ergriff man aeusserste massnahmen, um diese leuten zum aufhoeren zu bewegen. in der verzweiflung schritt man dazu, diesen leuten alles kaputt zu hauen, wie zum beispiel in dresden. hoffend, dass etwas eintreten wuerde, was bei einem notorischen bully auf dem schulhof passiert, der von einem schueler einer hoeheren klasse bei ausuebung seiner taeglichen unterdrueckungs – und piesackgeschaefte mal richtig eins auf die schnauze bekommt – und dann erstmal eine zeitlang ruhe gibt. nichts dergleichen geschah – und das ist das einzige, was man den alliierten neben dem dank fuer die letztliche einstweilige befreiung der welt von deutschland, noch unterbreiten moechte: sie haetten schon viel eher und entschlossener dem treiben mit allen notwendigen mitteln ein ende setzen sollen. schliesslich half es nur – um im bild vom schulhofbully zu bleiben – ihn zu fesseln und zu knebeln und rein physikalisch daran zu hindern, auch nur sein maul aufzumachen. leider auch nicht fuer lange, aber sei’s drum – denn der eigentliche punkt ist: die deutschen sind nicht gut im lernen. man muss sie im zweifelsfall – bar jeden anspruchs, dass da noch irgendeine geistige veraenderung eintritt – fesseln und knebel, um sie daran zu hindern, bis zum aeussersten zu gehen.
der beruehmte hund von pawlow (oder die ihm in der forschung bald nachfolgenden ratten und tauben – letztere sind im uebrigen ausgesprochen gelehrige tiere) war da schon eine stufe weiter. er lernte zumindest, dass es wehtun wird, wenn er X tut und dass er belohnt wird, wenn er Y tut. also unterlaesst er X und befleissig sich, Y an den tag zu legen. derartiges operandes konditionieren, im fachjargon, funktioniert sogar bei den allerprimitivsten organismen.
aber noch nicht einmal darauf sprangen aber die deutschen 1945 an. sie richteten sich im hinuebergeretteten deutschland ein, notgedrungen einstweilen stille haltend, aber weiterhin sich an “die gute alte zeit” erinnernd. dabei musste das wohlwollen der alliierten (vor allem der westlichen) nach der niederwerfung ihnen wie eine belohnung erscheinen. kaum 15 jahre nach kriegsende hatten sie bekommen, was sie wollten: ein ruhiges, spiessiges deutschland, in dem man gelegentlich am freitag abend am stammtisch nochmal hinter vorgehaltener hand die alten zeiten wieder aufleben lassen konnte. bis 1968, als einige die friedhofsruhe stoerten, dabei aber am ende einen prozess einleiteten, der bis heute andauert, und auch nur zum ziel hat, deutschland schoen und fit fuer die zukunft zu machen, aufzuraeumen mit der geschichte (und den eigenen eltern), und endlich, endlich als deutsche wieder “frei” sein zu koennen. frei, ueberall mitmischen zu wollen und im namen des friedens der ganzen welt wieder zu erzaehlen, wos langgeht.
bei all dem “lernt” man nicht viel. das bisschen, was man lernt ist, dass man heute nicht sagen darf, der nationalsozialismus war gut (und das man sich empoeren muss, wenn jemand anders das sagt), und dass “antisemitismus” ein boeses wort ist. warum? keine ahnung, man weiss nur dass es so ist. zumindest in mainstream-deutschland, von der npd und stiefelnazis sei hier nicht die rede. man weiss nicht, was es ist, man weiss nur, man muss dagegen sein. sagt jemand “alle juden sollen getoetet werden” – alle wissen, das ist boese, das darf man nicht sagen. sagt jemand “auslaender raus” – das darf man nicht sagen, das ist boese. wie primitiv aber dieses wissen eingebettet ist, faellt schon auf, wenn jemand sagt “israel soll vernichtet werden”, wie ahmadinedschad. dann ist es gar nicht mehr soooo klar, ob man das nun auch verabscheuen und ablehnen soll, oder ob da nicht vielleicht was dran ist. da kann man ja mal drueber nachdenken, ob der nicht vielleicht ein rebell gegen den imperialismus ist. das geht dann so weit, dass die reine bezeichnung “antisemitismus” abgelehnt wird, denn er hat ja nicht das wort “juden” gesagt. aehnlich bei hohmann, moellemann oder walser vor einigen jahren: da ist dann gerne von der “antisemitismuskeule” die rede, ein wort, mit dem man mittlerweile (das geht auch noch nicht so lange) vermeint, einen diskussionspartner endgueltig zum schweigen zu bringen und ihn endgueltig diskreditieren zu koennen. und das gelingt auch zunehmend. die “antisemitismuskeulen”-keule funktioniert ganz einfach: alle aeusserungen, in denen nicht das wort “jude” vorkommt, koennen nicht antisemitsich sein, also muss der vorwurf des antisemitismus falsch und von unlauterern motiven getrieben sein.
das ist zumindest mal ein schritt richtung pawlowscher hund. zumindest hat man gelernt, dass strammer antisemitismus nicht als ausweis hoechster moralischer integritaet und kultureller raffinesse gelten kann. indes: was antisemitismus ist, das weiss man nicht so genau, man weiss nur, dass es was mit dem signalwort “juden” zu tun hat. der ganze zauber funktioniert auf einer einfachen zuordnungsregel, die auch der pawlowsche hund haette lernen koennen:
jude -> schlecht
alle andern woerter -> nicht so schlecht
dass das wort “jude” als signalwort fuer etwas negatives fungiert, ist hier keineswegs ein fehler. weiterhin sind juden den deutschen unheimlich und damit suspekt, aber man weiss eben, dass man das nicht sagen darf.
was fehlt, ist ein tatsaechlicher begriff vom antisemitismus, der es erlauben wuerde, judenfeindschaft als solche zu erkennen, auch wenn die person, die sie aeussert, kein schild mit sich traegt, auf dem steht “ich bin antisemit”. und so werden aeusserungen, die dem inhalt nach antisemitisch sind, vor allem, wenn der sprecher noch dazu luegend sagt “ich bin kein antisemit”, einfach umdefiniert. hohmann speit den puren antisemitismus (und darin kam sogar das wort “jude” vor), sagt dann aber er sei kein antisemit (und andere bestaetigen das auch “einfach mal so”) und damit ist fuer die ganz normalen deutschen klar: das kann nicht antisemitisch gewesen sein, was er gesagt hat.
die deutschen sind also ein stueckchen weiter, als noch im februar 1945: zumindest wird ihnen nicht mehr offiziell warm ums herz, wenn der fuehrer spricht, ein hakenkreuz ist ein “boeses” zeichen (so boese, dass man sogar symbole, die eindeutig gegen das hakenkreuz gerichtet sind, mit der selben begruendung verbieten moechte, wie das symbol selbst), und “die juden sind doof” darf man auch nicht sagen. sie haben gelernt, das bestimmt dinge schlecht sein muessen. einfache regel: bestimmte symbole = schlecht. und daraus ziehen grosse teile der deutschen heute ihr “selbstbewusstsein” als junge und gelaeuterte nation. gelegentlich wird “das boese” nochmal benutzt, wenn man jemanden wirklich schlecht machen will (wie bspw. herta daeubler-gmelin, die george w. bush mit hitler vergleicht) oder wenn man einen guten grund braucht, bomben zu werfen (scharpings behauptung, im kosovo in die fratze der eigenen vergangenheit zu blicken), zum beispiel. aber ohne das label “nazi”, ein symbol vom rang des hakenkreuzes oder eine klare ansage “die juden muessen getoetet werden” erkennen die deutschen bis heute nicht das, was eigentlich gemeint ist.
und so kommt es dann auch zu solchen episoden wie der herman-affaere. herman sagte, im dritten reich sei einiges schlecht gewesen, zum beispiel hitler, aber andere sachen seien gut gewesen, zum beispiel die wertschaetzung der mutter. dafuer fliegt sie beim ndr endlich raus, richtigerweise, aber vox populi weiss gar nicht, was daran so schlimm sein soll. ein blick in die kommentarbereiche von onlinezeitungen zeigt: viele leute finden das richtig, was herman gesagt hat: sie habe sich doch von hitler distanziert (damit ist dem reflex hitler=boese genuege getan), und ansonsten nur die familienpolitik und die assoziierten werte gelobt, die auch vor dem dritten reich en vogue gewesen seien. aber “nur”, weil die nazis diese werte “missbraucht” haben, duerfe man sie nicht verdammen. und es sei eben auch einiges gut gewesen am dritten reich.
dass das dritte reich diese familienwerte, die es auch vorher schon gab, in aller deutlichkeit auf ihre spitze getrieben hat, und auch vorher schon die glorifizierung der mutter und der familie den kreuzzug gegen die nicht-familie in sich trug – das auch zu denken, ist zu viel verlangt von den modernen deutschen. antisemitismus gab es auch schon vor 1933 und das dritte reich hat ihn zur vollendung gefuehrt, das, was vorher schon angelegt war, zu ende gebracht. wird deswegen der antisemitismus zu einem an sich guten wert, den die nazis nur missbraucht haben? es hat noch stets den wahn nicht selbst erkannt, wer selbst in ihm gefangen. und so ist eigentlich vieles gut, was im dritten reich geschah, schade nur, dass der hitler durch seinen schlechten namen alles kaputt gemacht hat. sie erkennen das gute im dritten reich und stellen unter beweis, dass sie nicht wissen, was nationalsozialismus ist. das gute, was sie erkennen, macht auch heute noch ein warmes gefuehl im bauch (gemeinschaft, “sicherheit nachts auf der strasse”, anstand, ehre…). und das gehoert alles zum nationalsozialismus dazu, aber wenn man ein schildchen auf allem braucht, wo “nazi” draufsteht, um es als solches zu erkennen, dann kann man natuerlich nix anfangen mit der denunziation der ideologie von frau herman. eher noch: man hat mal wieder was, woran sich zeigt, wie sehr die deutschen von “irgendwem” (im zweifel von den juden und dem gleichnamigen zentralrat) unterdrueckt und geknechtet werden. wenn sich die gelegenheit ergibt, diese verhaeltnisse irgendwo auszumachen, dann ist der deutsche (gemaess pass wie auch im “geiste”) immer gern dabei, kritik empoert zurueckzuweisen. da wird ueberdies der rauswurf von eva herman durch den ndr als angriff auf die meinungsfreiheit gewertet. meinungsfreiheit heisst fuer solche leute, man darf sagen, was man gerade denkt oder wahrscheinlich in diesen faellen eher: fuehlt, und niemand darf kritik daran ueben. aber wenn sie in der oeffentlichkeit solchen scheiss verzapft, dann muss sie es auch ertragen koennen, dafuer paroli zu bekommen. eva herman hat alle meinungsfreiheit der welt, aber eben nicht in den sendungen beim ndr. so einfach ist das.
einige tage spaeter wiederholt sich das gleiche spiel: kardinal meisner warnt davor, dass “Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet”. “entartete kunst” ist ein begriff, der im nationalsozialismus fuer missliebige, moderne und aufgeklaerte kunst gepraegt wurde, die nicht blut-und-boden genug war. alleine schon deshalb kann man diesen begriff einfach mal vermeiden, es kostet nicht viel. (einige besonders spitzfindige apologeten pochen darauf, dass er “entartete kultur” gesagt habe, nicht “entartete kunst”, und deshalb das alles ueberhaupt nichts mit dem nationalsozialismus zu tun habe. derartiger sophisterei sollte man eigentlich keine aufmerksamkeit schenken, aber wenn alles nicht so gruselig waere, muesste man darueber lachen, wie bloede und gleichzeitig jaemmerlich sich einige anstellen beim versuch, gewichtige argumente zu machen).
angeblich hatte meisner nur “ganz schlicht” sagen wollen, “Wenn man Kunst und Kultur auseinanderbringt, dann leidet beides Schaden.”. abgesehen davon, dass schon alleine dieser anspruch, dass kunst nur mit religion zusammen bestehen kann und anderweitig “schaden” erleidet, ist ablehnungswuerdig genug, aber noch in gewisser weise albern. aber wenn man einfach nur sagen will, “ich bin gegen x”, dann ist das eben nicht das gleich wie “wenn x passiert, dann entartung”. mal angenommen, der begriff waere nicht “historisch belastet”, dann ist die aussage von meisner immer noch ein skandal. denn die art, von der da die rede ist, ist die menschheit, und kunst als entartet zu bezeichnen, heisst, ihr die menschlichkeit abzusprechen. der schritt zur aufkuendigung der menschlichkeit an den hersteller/schoepfer der “entarteten” kunst ist ein kleiner. also, selbst wenn meisner gesagt haette “Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur wird unmenschlich” (und “unmenschlich” ist nun kein spezifisch nationalsozialistisch gepraegtes wort), waere der inhalt seiner bemerkung immer noch genau der gleiche, der dem kuenstlerisch auf ausserst konkrete motive wie den roehrenden hirsch, blonde muskuloese jungs, perfekt funktionierende maschinen und harte feldarbeit abonnierten nationalsozialisten das herz aufgehen laesst. und wenn dieses ressentiment gegen modernere kunst auch vor und vor allem nach dem dritten reich weit verbreitet war und ist, so zeigt sich nur, wie kontinuierlich der fetisch der konkretheit (im falle von nationalsozialistischer kunst) bzw. der konventionalitaet (im falle religioeser kunst) im deutschen wesen west.
die reaktionen (wiederum in den kommentarbereichen der online zeitungen und anderswo) gleichen denen auf den rausschmiss hermans strukturell aufs haar. der kardinal habe doch nur gesagt, er finde diese kunst nicht schoen und dabei dieses wort benutzt, aber das habe doch nichts mit nazis zu tun, die haben dieses wort eben auch gebraucht, aber die haben ja insgesamt die deutsche sprache benutzt, dann muesste man ja die ganze sprache abschaffen, [eine ueberlegenswerte idee, wie ich finde, jj], die ganze aufregung zeige nur, wie schwer wir uns in deutschland mit der geschichte tun und wie sehr wir von ‘bestimmten kraeftem’ mit meinungsterror ueberzogen werden…” da wird dann wieder die meinungsfreiheit in gefahr gesehen, der kardinal habe doch nur sagen wollen, dass ihm moderne kunst nicht gefalle, und das wird doch noch erlaubt sein. ich behaupte demnaechst, alle katholischen pfaffen seien entartet, weil sie keinen sex mit erwachsenen menschen haben (jedenfalls nicht offiziell), denn das gehoert nun mal zur menschlichen art dazu. und dann sage ich nachher, ich wollte nur ausdruecken, dass ich selber so ein leben nicht leben moechte. ich bin gespannt, wieviel meinungsfreiheit da noch uebrigbleibt.
und auch offiziell beteuert das erzbistum koeln: “Die Äußerung des Kardinals wendet sich weder gegen bestimmte Kunstformen, Kunstwerke oder Künstler, noch will sie irgendjemanden diskreditieren oder gar diffarmieren.” und “Den von der Nazi-Ideologie missbrauchten Begriff der Entartung richtet er somit gegen diese und alle Formen des Totalitarismus.” das ist schon semantisch starker tobak: er wollte keine kunst diffamieren oder diskreditieren, hat aber ueber eine kultur, die solche kunst hervorbringt, gesagt sie sei entartet. dann ist “entartet” vielleicht ein kompliment? und wieder das alte schema: die nazis haben diesen begriff nur missbraucht, aber das was eigentlich damit gemeint ist, ist doch gut. denn der begriff richtet sich gegen den totalitarismus. den totalitarismus von was? von moderner kunst? natuerlich: die moderne kunst bedroht unsere abendlaendisch-christliche kultur und ist deshalb totalitaristisch (< – auch so ein wort, das gerne einfach rausgehauen wird, weil es das bezeichnete so abgrundtief schlecht erscheinen laesst, ohne dass es noch um den wortsinn geht). Es ist absurd, und wenn der inhalt, der da geaeussert wird, nicht so gruselig waere, muesste man ueber solcherlei double speak eigentlich lachen.
an diesen beiden, gerade sehr aktuell und kurz hintereinander aufwallenden debatten zeigt sich: deutschland weiss bis heute nicht so richtig, was nationalsozialismus ist. nur, dass es boese ist, aber nicht warum. und bei aller modernisierung des postfaschistischen deutschlands – darin bleibt ein zentraler zug des deutscher befindlichkeit konstant: so richtig weiss man immer noch nicht, was man damals falsch gemacht haben soll. es hat anderen, die im stande waren, es zu beenden, nicht gefallen, aber was soll bloss daran falsch gewesen sein? ausser dem boesen hitler und den hakenkreuzfahnen?
und noch ein solches moment der gelaeuterten unschuld und des naiven “was haben wir denn falsch gemacht?” sei erwaehnt. mit erstaunlicher erleichterung nahm die oeffentlichkeit nach der hetzjagd von muegeln zur kenntnis, dass es sich nicht um eine organisierte aktion, die von stiefelnazis mit npd-parteibuch generalstabsmaessig geplant war, handelte. und kurze zeit nach dem mordanschlag auf den deutlich als solcher zu erkennenden rabbiner in frankfurt, der vom tater durch aeusserungen wie “du scheiss-jude” und “ich bring dich um” begleitet wurde, vermutete man schnell und auch unfaehig, eine gewisse erleichterung zu verhehlen, es sei ein “zufaelliges zusammentreffen” gewesen. keine organisierte tat, der mann, der mittlerweile verhaftet ist und die tat gestanden hat (natuerlich mit dem hinweis, er sei eigentlich das opfer des rabbiners gewesen), gehoere keiner islamistischen vereinigung an. man glaubt tatsaechlich, so etwas sei beruhigend. die taeter von muegeln trugen keine hakenkreuzarmbinden, der judenmoerder von frankfurt war nicht bei al-kaida, also kann es sich nicht um auslaenderfeindlich respektive antisemtisch motivierte taten gehandelt haben. es ist also nicht so schlimm… die tatsache, dass es ganz normale deutsche waren, die in pogromartiger raserei auslaender mit “auslaender raus”-rufen jagten und umgebracht haetten, und das es einfach ein ganz normaler muslim war, der auf offener strasse mit ansage einen rabbiner, der ihm nichts getan hatte, erstechen will, ist noch viel gruseliger als die tatsache, dass beispielsweise die npd in landtagen sitzt und die ganze zeit nur dummes zeug quatscht. gruseliger als die tatsache, dass es irgendwo hierarchisch organisierte strukturen gibt von leuten, die tatsaechlich hakenkreuzfahnen im wohnzimmer aufhaengen. es ist ein hinweis darauf, dass sie es auch ohne fuehrer koennen und ohne hakenkreuzfahnen. udo lindenberg (der mit sicherheit viel scheiss redet und geredet/’gesungen’ hat, trotz aller guten musik) hat mal in den achtzigern ein lied gemacht, das “sie brauchen keinen fuehrer” hiess, in dem es darum ging, dass die nazis von heute eben ohne fuehrer und uniformen auskommen. da offensichtlich die deutschen nicht sehr viel gelernt haben, bedeutet das auch umgekehrt: wenn es nur keinen fuehrer (den eva herman als “etwas schlechtes” am dritten reich identifizierte) und keine hakenkreuze gibt, dann ist das, was wir (oedr diejenigen, die ‘mutig’ genug sind) tun, schon legitim. Wenn es nur “spontan”, “gemeinschaftlich”, “aus einer opferrolle heraus” und “authentisch” ist, dann muss es gut (oder zumindest nachvollziehbar, entschuldbar und dadurch legitim) sein.
herzlichen glueckwunsch! unter “aus der geschichte gelernt” stelle ich mir was anderes vor. setzen, sechs! aber was schert die sechs einen schueler, der allen ernstes weiter glaubt (und glauben will), dass 2+2=5 und davon auch auf teufel komm raus nicht ablassen will…
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